
Was für eine Untat!
Es war der Morgen an einem der jährlich stattfindenden „Abi-Gag“-Tage irgendwann vor langer Zeit. Ich hatte grausig schlecht geschlafen und war mit ziemlichen Kopfschmerzen aufgewacht. Oh Mann, nicht auch das noch heute, dachte ich. Wieder so ein doofer Abi-Gag-Tag! Was werden sie sich bloß wieder für einen Blödsinn ausgedacht haben? Auf der Fahrt in die Schule nahm ich mir vor, mich um nichts zu kümmern, schnell in mein Büro zu gehen, mich in den Stuhl zu setzen und zu warten, dass es irgendwie schnell rumgeht, ich mich wieder besser fühle und nach der Aktion dann kein Unterricht stattfinden kann …
Musik empfing mich im Gebäude – MUSIK! Und das bei meinem Kopfweh!
Es kam noch schlimmer: Der Weg in mein Büro war versperrt. Auch mit dem Aufzug ging es nicht. Warum? Alle vier Treppenhäuser zum ersten Stock und der Aufzug waren durch unzählige, kreuz und quer gespannte bunte Wollfäden unpassierbar. Was für eine unglaubliche Mühe musste das gemacht haben, sicherlich viele Stunden in der Nacht! Es sah überwältigend aus! Nur leider hatte ich in diesem Moment keinen Blick für dieses wunderbare Kunstwerk: Ich wollte in mein Büro – und zwar jetzt…
So kam es zur Untat: Ich trennte einige Wollfäden durch, massakrierte so die ganze Herrlichkeit in „meinem“ Treppenaufgang und erreichte mein Büro – nicht wirklich mit Triumphgefühlen. Und beschimpft wurde ich von den zuschauenden Abiturienten auch nicht, nur ein enttäuschtes „Oooch!“ konnte ich hören.
Nachträglich habe ich mich geschämt für meine Untat, ja! Einen der schönsten und fantasievollsten Abi-Gags hatte ich so unwürdig behandelt – nichts war bei der Aktion beschmiert, nichts zerstört oder beschädigt worden (so wie manchmal in den anderen Jahren).
Wenn dies hier jemand der damaligen Künstler und Künstlerinnen lesen sollte – vergebt einem reuigen Pädagogen, der einen schwachen Tag hatte!
Rolf Jäger
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